TEXTE
TEXTE ZU STÜCKEN
Heilige Räume
Ferdinand Schmalz’ Der Tempelherr erzählt von einem Mann, der ein Eigenheim bauen will – und stattdessen eine immer weiter wachsende Tempelanlage errichtet. Der Essay folgt den philosophischen Spuren des Stücks und fragt nach der Bedeutung dieses rätselhaften Bauprojekts: nach dem Verhältnis von privatem und politischem Raum, von Freiheit und Unverfügbarkeit und schließlich nach der utopischen Kraft, die im Bauen, Gründen und Anfangen selbst liegen kann.
Emilia und die Freiheit
Lessings Emilia Galotti ist ein Drama über Macht, Begehren und die Frage nach individueller Freiheit. Zwischen der absolutistischen Willkür des Prinzen und dem Tugendrigorismus des Vaters wird Emilia zum Gegenstand widerstreitender Interessen. Der Text untersucht das Stück aus ihrer Perspektive und fragt, warum die vermeintliche Befreiung aus der einen Ordnung unmittelbar in eine neue Form der Unfreiheit führt – und weshalb am Ende selbst Emilias Tod keinen höheren Sinn mehr stiftet.
PROSA
Hikikomori
Eine junge Frau hat sich aus der Welt zurückgezogen. Seit fünf Jahren lebt sie allein in ihrer Wohnung, während draußen Mutter, Nachbarn, Polizei und Psychologen versuchen, sich einen Reim auf ihr Verschwinden zu machen. Doch hinter der verschlossenen Tür existiert eine andere Welt: Schiffe fahren aufs Meer hinaus, Tiere brechen aus Wänden hervor, die Wirklichkeit öffnet sich in eine geheimnisvolle Tiefe. Hikikomori erzählt vom radikalen Rückzug eines Menschen – und vom gewaltsamen Wunsch der anderen, ihn zurückzuholen.
Der Dachs
Ein alter Mann bringt nachts den Müll hinaus und sieht einen Dachs. Eine unscheinbare Begegnung, die etwas in ihm in Bewegung setzt. Plötzlich erscheint ihm die vertraute Vorstadt wie eine Kulisse, der Dachs wie ein Späher und die Nacht wie der Beginn eines lange erwarteten Angriffs. Bewaffnet zieht er los, um sich gegen einen Feind zu verteidigen. Der Dachs erzählt von Alter, Einsamkeit und Paranoia – und von einer Wirklichkeit, die sich immer weiter verschiebt.
Auf dem Balkon
Eine Frau beobachtet von ihrer Wohnung aus das Leben auf den Balkonen gegenüber. Ihr eigenes Dasein ist ruhig eingerichtet, ohne große Erwartungen und ohne besondere Überraschungen. Bis ihr Blick auf einen jungen Mann fällt, der allein auf seinem Balkon sitzt. Für einen Moment sehen die beiden einander an. Zehn Minuten später klingelt es an ihrer Tür. Auf dem Balkon ist eine kurze Geschichte über Einsamkeit, Projektion und die überraschenden Möglichkeiten, die wir im Leben anderer Menschen zu erkennen glauben.
WEITERE TEXTE
New Culture Deal
Der Essay New Culture Deal entstand 2021 unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Ausgehend von den damals sichtbar gewordenen strukturellen Problemen der Darstellenden Künste entwirft der Text Vorschläge für eine neue Kulturpraxis: bessere soziale und rechtliche Bedingungen für Künstler:innen, eine Modernisierung der Theaterstrukturen und eine Kulturpolitik, die Kunst und Kultur als zentralen Bestandteil gesellschaftlichen Lebens begreift.
Eine Prise Berufsrealität
Die Theaterlandschaft ist im Umbruch – und mit ihr verändern sich die Anforderungen an die Ausbildung junger Künstler:innen. Der Text fragt, welche Rolle berufspraktisches Branchenwissen im Schauspiel- und Regiestudium spielen kann. Zwischen künstlerischer Freiheit, Selbstständigkeit und den konkreten Bedingungen des Theaterbetriebs geht es dabei um die Frage, ob eine „Prise Berufsrealität“ nicht gerade dabei helfen kann, sich angstfreier und eigenständiger in einem schwierigen Berufsfeld zu bewegen.
TEXTREDAKTION
Redigierte Bücher:
Robert Hardmann – Queen Of Our Times
Laura Colman – Spaziergang mit Puma
Emma Reed Turrel – Selbst.Zufrieden
Kirsty Everett – Honig im Blut
Verlag Bastei Lübbe