Herkunft

„Und wo kommst du her?“, ist eine der häufigsten Fragen, die Personen mit Migrationsgeschichte zu hören bekommen – auch wenn sie schon seit Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und vollständig integriert sind. Der autobiographisch geprägte Roman „Herkunft“ von Saša Stanišić bildet mit leichter Hand ab, wie komplex die Antwort auf diese Frage sein kann. Der preisgekrönte Schriftsteller wurde 1978 in Višegrad geboren, in einem Land, das es heute nicht mehr gibt, nämlich im ehemaligen Jugoslawien. Seine Mutter stammt aus Bosnien, sein Vater ist Serbe. Als Anfang der 1990er Jahre der Krieg auf dem Balkan ausbrach – mitten in Europa - flüchtete seine Familie nach Deutschland. Heidelberg wurde ein erstes Zuhause, jetzt ist es Hamburg. Seine Eltern wiederum emigrierten in die USA, als sie aus Deutschland abgeschoben werden sollten. Herkunft ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biographie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.“, schreibt Stanišić, und dass Herkunft von seiner dementen Großmutter handelt, die ihre Erinnerung verliert, während er Erinnerungen sammelt. In dieser Suche nach Identität und Heimaten ist die Realität mit mythischen Bildern und einem hohen Sprachwitz verwoben. Es ist eine anrührende, und doch auch hochamüsante Familiengeschichte, erzählt aus verschiedenen Perspektiven und Zeiten heraus – auch über Deutschland und Europa.